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Fremde in einem unbekannten Land: Asyl und Einwanderung

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Der Quäkerrat für Europäische Angelegenheiten wurde 1979 gegründet, um die Anliegen von Quäkern bei den Europäischen Institutionen zu vertreten. Die folgende Erklärung ist das Ergebnis einer Konferenz der Fördermitglieder, die am 6./7. Oktober 2000 in Leuven, Belgien stattfand.

Die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) ist tief betroffen über die Behandlung von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Europa von heute. Diese Betroffenheit hat ihre Wurzeln sowohl in unserem Zeugnis für Frieden und Gleichberechtigung und in unserer praktischen Erfahrung in der Arbeit mit Opfern von Verfolgung und Krieg. Wir schätzen die kreativen Beiträge wert, die Migranten und Flüchtlingen machen, die unter uns leben. Wir erkennen auch die Notwendigkeit noch aufmerksamer auf ihre Stimmen zu hören.

Respekt gegenüber den fundamentalen Menschenrechten und Gleichheit vor dem Gesetz sind allgemein anerkannte Grundsätze. Als Quäker bekennen wir, dass unsere Anliegen einer moralischen Überzeugung und unserer Werthaltung entspringen, die auf der Notwendigkeit gründen, auf "das von Gott in jedem Menschen" zu antworten. Wir sind ernsthaft darüber beunruhigt, dass Intoleranz (rassistisch, ethnisch, kulturell) in Europa wieder auftaucht als eine Hauptursache bei der Verletzung von Grundrechten. Die Ängste, die Flüchtlinge dazu treiben, ihre Heimat zu verlassen, spiegeln sich in den Ängsten derjenigen wieder, die sich durch die Anwesenheit von Fremden in ihrer Mitte bedroht fühlen. Solche Ängste können nicht die Grundlage für eine verantwortungsvolle Politik sein. Einzelne und Familien, die darum kämpfen, Ungerechtigkeiten und Konflikten zu entkommen, verdienen unseren Respekt und unser Verständnis. Unterdrückung, selbst in subtiler Form, setzt Unterdrücker und Unterdrückten gleichermassen herab.

Wir haben uns zu einer Zeit getroffen, in der die Einwanderungs- und Asylpolitik zunehmend auf europäischer Ebene beschlossen wird. Wir gehören alle zu einer Menschheit und sind füreinander verantwortlich. Wie wir auf die Nöte der am meisten Verletzten unter uns antworten, ist der Prüfstein für unsere Zivilisation.

Wir appellieren an die Europäische Union und die nationalen Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten und die Kandidatmitgliedsstaaten:

  • Fördern Sie die Wertschätzung der Beiträge von Flüchtlingen und Asylsuchenden in ihrer Gesellschaft
  • Sichern Sie die Rechte von Bürgern aus Drittländern, damit diese an den kulturellen, ökonomischen und politischen Prozessen der Länder, in denen sie leben, teilnehmen können
  • Setzen Sie Gesetze gegen Rassismus und Diskriminierung in Kraft
  • Stärken Sie die Genfer Konvention von 1951 und erweitern Sie deren Geltungsbereich auch auf die Unterdrückung durch nicht staatliche Organisationen
  • Beenden Sie schnell die Praxis der Unterbringung von Asylsuchenden in Gefängnissen oder geschlossenen Aufnahmelagern, wenn diese keine kriminellen Handlungen begangen haben
  • Garantieren Sie Bewegungsfreiheit für Flüchtlinge innerhalb des Landes, in dem ihr Asylantrag bearbeitet wird, ohne die Notwendigkeit von Reiseerlaubnissen
  • Entwickeln Sie eine umfassende Einwanderungspolitik, die auf anderen Kriterien beruht, als auf den zur Zeit für Asylanträge geltenden.

Das was moralisch falsch ist, kann niemals politisch richtig sein.

Extreme Unterdrückung erscheint schrecklich: aber auch Unterdrückung in ihren subtileren Erscheinungsformen bleibt Unterdrückung; und selbst wo nur die kleinste Form gehegt wird, wächst sie und weitet sich aus.

Aus "Ein Plädoyer für die Armen" John Woolman (Quäker) 1720 - 1772

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