Die
Feierlichkeiten sind vorüber - Nachdenken über die Erweiterung
"'Demütig
den Weg gehen mit unserem Gott' Micha 6,8; Anm.d.Übers.): Unsere
Kirchen können nur solidarisch sein mit einem ‚demütigen'
Europa. Nicht mit einem neuen ‚Block', der mit anderen in Opposition
steht, sondern mit einer Kultur des Hinhörens und des Dialogs,
den Fundamenten für Versöhnung und Friede".
Diese
Worte gebrauchte Reverend Jean-Arnold de Clermont, der Präsident
der Konferenz Europäischer Kirchen, in seiner Ansprache während
eines ökumenischen Gottesdienstes zur Feier der Erweiterung
der Europäischen Union im Jahr 2004. Dieser Gottesdienst wurde
von siebzehn Organisationen gemeinsam gestaltet, die ein breites
Spektrum christlicher Kirchen und Gruppen repräsentierten,
und QCEA war dabei. Es erschien uns wichtig, diese größte
aller EU-Erweiterungen mit Reflexionen und mit Dankbarkeit zu feiern,
aber auch mit der erneuten Bekräftigung unseres Einsatzes für
ein Europa des Friedens.
Die
Europäische Union begann zunächst als Friedensprojekt,
und als solches war sie erfolgreich. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
und des Warschauer Paktes Anfang der Neunzigerjahre bot die Gelegenheit
und die Herausforderung, die Europäische Union nach Osten auszudehnen;
einige nannten das Erweiterung, andere Wiedervereinigung. Wie auch
immer man das betrachtet, der 1.Mai 2004 wurde mit Musik, Tanz und
Feuerwerk gefeiert, und an vielen Orten Europas mit dem Überschreiten
von Brücken, wo noch vor gar nicht so langer Zeit Stacheldrahtzäune,
Wachtürme und vermintes Niemandsland allgemein verbreitet waren.
Hier
in Brüssel herrschte am Wochenende Feststimmung mit Essständen,
kulturellen Events und Straßenfesten wie auch mit "offenem
Haus" in allen größeren EU-Institutionen. Es gab
ein echtes Gefühl von kultureller Verschiedenheit und Gemeinschaft.
Wir
besuchten das Europa-Parlament, um die Feierlichkeiten zu beobachten
und waren erstaunt über die Mengen ganz normaler Menschen,
die in allen Arten von Sprachen redeten, sich stundenlang anstellten,
um eingelassen zu werden - kein alltäglicher Anblick. Als wir
versuchten, in die Zentrale des Europarates zu gelangen, waren die
Warteschlangen so lang, dass wir aufgaben.
Aber
was ist mit den Herausforderungen, die sich jetzt der erweiterten
Union stellen. Sie hat zehn Länder gewonnen und weitere 75
Millionen Menschen. Verständlicherweise und mit Recht hegen
sie große Erwartungen. Sie haben länger als eine Dekade
hart gearbeitet, um diesen Punkt zu erreichen. Das Versprechen der
Mitgliedschaft hat die Reform der Wirtschaft - oft schmerzhaft -
angetrieben wie auch die politischen Strukturen und Prozesse und
die Entwicklung der Menschenrechte.
Dies
ist jedoch die bisher größte Erweiterung der EU, und
sie kommt zu einer Zeit, da das Geld knapp ist. Im Gegensatz zu
den Erweiterungen durch die Aufnahme von Irland, Spanien, Portugal
und Griechenland sind jetzt die Ressourcen für eine Ausweitung
der beträchtlichen Agrarsubventionen oder der regionalen Entwicklungshilfe
für die neuen Mitgliedsstaaten begrenzt. Aus Furcht vor uneingeschränkter
und vermehrter Einwanderung werden den Bürgern der zehn neuen
Mitgliedsstaaten Beschränkungen ihrer Freiheit, sich in anderen
Mitgliedsstaaten niederzulassen, für eine Übergangsfrist
von bis zu sieben Jahren auferlegt.
Wir
dürfen nicht vergessen, dass die meisten der zehn neuen Mitgliedsländer
einen viel niedrigeren Lebensstandard haben als die anderen fünfzehn.
Sie brauchen also wohl die Freiheiten und Vorteile freier Arbeitsplatzwahl
dringender als diejenigen, die sie bereits genießen. Die Infrastruktur
in diesen Ländern bedarf beträchtlicher Investitionen.
Die Landwirtschaft muss weiter entwickelt werden, um sicher zu stellen,
dass diejenigen, die das Land bewirtschaften, ein sicheres Auskommen
haben. Es ist die Aufgabe für den wohlhabenderen Teil der Europäischen
Union, offen zu sein für Fairness quer durch alle Mitgliedsstaaten.
Die Medien, die unsere Ängste vor der uneingeschränkten
Einwanderung, der Senkung des Lohnniveaus durch Einströmen
billiger Arbeit und vor den Kosten durch Hilfe bei der Entwicklung
der Wirtschaft in den neuen Mitgliedsstaaten schüren, täuschen
uns und appellieren an unsere niedrigsten Instinkte. Wir wollen
uns nicht in diesen Trend hineinziehen lassen.
Und
wie steht es um die Wirkung dieser Erweiterung auf Menschen und
Länder in der ganzen Welt? Wird diese Erweiterung mit ihrem
verständlichen Druck auf die Ressourcen innerhalb der EU zu
weniger verfügbaren Ressourcen für diejenigen Länder
außerhalb der EU führen, die um so vieles ärmer
sind als jeder einzelne der alten oder neuen Mitgliedsstaaten? Wird
die EU weiterhin den Handel mit dritten Ländern einschränken,
um die Wirtschaft ihrer Mitglieder auf Kosten des Überlebens
der Menschen anderswo zu schützen?
Die
Entwicklung einer Allgemeinen Außen- und Sicherheitspolitik
war schon mit nur fünfzehn Mitgliedsstaaten schwierig. Sie
wird nicht einfacher werden, wenn zehn weitere Mitgliedsstaaten
an der Diskussion teilnehmen und jeder die politischen Auswirkungen
solcher Entscheidungen für das eigene Land bedenken muss. Die
Betonung der Militarisierung wird wahrscheinlich größer
durch einige der neuen Mitgliedsstaaten, die auch neue eifrige Mitglieder
der Nato sind. Als Folge davon wird es schwieriger, sich um die
Entwicklung einer glaubwürdigen friedensbildenden Alternative
innerhalb der EU zu bemühen.
Schließlich
gibt es noch die Herausforderung zur Integration unter den Menschen
der erweiterten Union. Viele von uns wissen nur wenig von der Kultur
anderer EU - Mitgliedsstaaten (sowohl der fünfzehn alten als
auch der zehn neuen), aber ohne dieses Wissen wird niemand an die
Realität einer Europäischen Union der Vielfalt glauben.
Wir müssen uns dieser Mühe unterziehen und Freude daran
finden.
Martina
Weitsch und Liz Scurfield
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DIE
EUROPAWAHL : WAS DABEI GESCHAH UND WARUM
Rückblick
auf die Ergebnisse: Vom
10.6.bis 13.6. fand die die 6.Wahl zum Europäischen Parlament
statt, und es war das erste Mal, daß die kürzlich angeschlossenen
neuen Mitgliedsstaaten teilnahmen.
Die
Wahlbeteiligung war sehr enttäuschend. Sie war seit der ersten
Europawahl im Jahre 1979 mit damals 67 % stetig gesunken. In der
letzten Wahl 1999 war sie wenig-stens noch 50%. Aber dieses Mal
war sogar das nicht möglich.
Land
/ Ergebnis (%)
Belgien
/91
Luxemburg /90
Malta /82
Italien /73
Zypern /72
Griechenland /63
Irland /61
Dänemark /48
Litauen /46
Spanien /46
Frankreich /43
Deutschland /43
Österreich /42
Finnland
/41
Lettland
/41
Großbritannien /39
Niederlande /39
Portugal /39
Ungarn /38
Schweden /37
Tschechien /28
Slowenien /28
Estland /27
Polen /20
Slowakei /17
Durchschnitt /46
Länder,
dick gedruckt: Gründerstaaten
Länder, schräg : neue Mitglieder seit 1.5.04
Die
Ergebnisse zeigen also einen generellen Trend zur politischen Rechten
und
in Richtung der Parteien, die entweder skeptisch oder gegen die
EU sind.
Die
Wahlergebnisse sind noch als vorläufig zu betrachten. Die offiziellen
Zahlen sind nicht vor Mitte Juli zu erwartet. Die Verteilung der
Anzahl der Sitze für die einzelnen Gruppen wird von den verschiedenen
Informationsquellen noch nicht einheitlich angegeben. Unsere Zahlen
beruhen auf den im Herald Tribune vom 15.6.04.
Um
herauszufinden, welche Parteien in ihrem Land welchen dieser Gruppen
nahe-
stehen, rufen Sie bitte folgende Website im Internet auf: http://www.europarl.eu.int/groups/
default.htm
Gruppen
und Anzahl der Sitze
EPP-ED 275
UEN 25
ELDR 65
EDD 18
GREEN/EFA 40
PES 200
EUN/NGL 39
andere 70
Die
einzelnen Faktoren:
GLEICHGÜLTIGKEIT
:
Einige der niedrigen Wahlergebnisse sind auf Gleichgültigkeit
zurückzuführen, andere auf EU-Müdigkeit (speziell
in Mittel- und Osteuropa, wo erst vor kurzem die Referenden zur
Mitgliedschaft stattfanden).Aber Gleichgültigkeit in großem
Ausmaße
weist auf Fehler der Politiker hin, den Wählern die Botschaft
überzubringen.
NATIONALE
GESICHTSPUNKTE :
Es gibt keine gesamteuropäischen Parteien; Gruppen aus den
sehr unterschiedlichen Parteien der Mitgliedstaaten stimmen oft
schon in grundlegenden Gesichtspunkten nicht überein.
Die Wahlkampagne in den meisten Ländern - wenn es überhaupt
eine solche gab- wurde über nationale Themen geführt.
WEDER
KLARE BOTSCHAFTEN NOCH KLARE FÜHRER AUF EU-LEVEL:
Die meisten Gruppen innerhalb des Europäischen Parlaments hatten
ein Programm, aber nur wenig davon wurde in der Wählerschaft
der Mitgliedstaaten bekanntgemacht.
Die einzige Gruppe/Partei, welche den Wahlkampf zu EU-Themen führte,
waren die Grünen.
Die EU hat zugestimmt, bei der Ernennung des Präsidenten der
Europäischen Kommission die Ergebnisse derWahlen zum Europäischen
Parlament zu berücksichti-
gen.Aber nicht eine Partei oder Gruppe hat klare Aussagen über
ihre grundsätzliche Präferenz zu diesem Thema gemacht.
Diese Hauptfrage jedoch hätte ein wirklicher
Punkt in der Debatte der europäischen Bürger sein können.
Gegenwärtig verhandeln die beiden größten Gruppen
im Europäischen Parlament
über die Teilung der Präsidentschaft im Parlament. Wiederum
hätte die Frage der Position des Präsidenten des Europäischen
Parlaments ein Hauptthema sein können, welches durch die Parteien
und die Öffentlichkeit in der Diskussion möglicherweise
vorangekommen wäre..
SANKTIONIERUNG
DER NATIONALEN REGIERUNGEN :
Für die Mehrheit der Länder in der EU,-Deutschland, Finnland,
Litauen, Polen,
Ungarn, Italien, Malta, Slowenien, Tschechien, Portugal, Frankreich,
Dänemark, Irland und Großbritannien-,war das Ergebnis
der Europa-Wahl eine Botschaft an ihre eigenen nationalen Regierungen.Die
Bürger haben in ihrer Unzufriedenheit und dem Fehlen jeglicher
Aussagen zu EU-Themen mit ihrer Wahl einfach ihrer nationalen Führung
eine Lektion erteilen wollen. Es mag eine nützliche, ja vielleicht
sogar eine nötige Lehre sein, aber es untergräbt den demokratischen
Prozess auf EU-Niveau.Verschiedene Oppositionsparteien in diesen
Ländern waren darin verstrickt, ihre Wahlcampagne auf diese
nationale Unzufriedenheit auszurichten.
EURO-SKEPTIZISMUS
:
In einigen Ländern wie Großbritannien, Schweden, Malta,
Österreich und Tschechien
haben diese Parteien mit ihrer klaren anti-europäischen Position
signifikante Stimmengewinne gemacht. In Dänemark hingegen gab
es den umgekehrten Trend. Hier wollte die Bevölkerung ganz
offensichtlich ihre Ambivalenz gegenüber der EU-Mitgliedschaft
stoppen.
Aber
in einer anderen Hinsicht ist die anti-europäische Position
auch sehr attraktiv,
weil sie eine klare Position ist, die wenigstens in einigen Ländern
sehr stark durch die Presse verbreitet wird, oft durch " Fakten"
unterstützt, die nicht allzu "faktisch" sind.
Das
Problem, daß sich dabei stellt, ist wohl jenes, daß
zumindest einige dieser Parteien einen Grad von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
zeigen, der besonders erschreckend im Kontext der europäischen
Geschichte ist.
WOHIN
FÜHRT DAS DIE EU, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENTUND DIE EU-BÜRGER?
Der Abstand zwischen den europäischen Institutionen und den
europäischen Bürgern hat sich vergrößert.Es
ist wenig Interesse an der Arbeit des Europaparlaments und seiner
Bedeutung vorhanden.Die Politiker und andere europäische Entscheidungsträger
sollten aus diesem Wahlergebnis -dem schlechtesten in der Geschichte
der direkten Wahlen zum EP- den Schluß ziehen, daß sie
wirkliche und effektive Anstrengungen in Richtung der Kommunikation
mit den Bürgern machen sollten.
Eines
ist ganz sicher: Die EU -gleich ob in Richtung zum Positiven oder
Negativen- hat einen wesentlichen Einfluß auf die politischen,sozialen,
ökonomischen und internationalen Themen, die unser tägliches
Leben Leben betreffen.Wenn die Entscheidungsträger es weiterhin
unterlassen, die Bürger darüber klar und effektiv zu informieren,
dann wird das denen die Tore öffnen, die ernsthafte Risse in
der Gemeinschaft riskieren möchten. Ob das gut oder schlecht
ist? Die Geschichte wird es uns lehren. Aber was die Geschichte
uns schon gezeigt hat ist, daß EU-Bürger besser und friedlicher
in der Europäischen Union zusammen leben können.Das bedeutet
aber noch nicht, daß die EU bereits so gut ist wie sie sein
könnte oder sollte. Sie ist noch weit davon entfernt. Aber
um Europa zu dem friedlichen Kontinent zu machen wie wir ihn uns
vorstellen, so daß er aus der Asche seiner eigenen Geschichte
auch zum Frieden anderswo in der Welt beiträgt, dürfen
wir nicht davonlaufen, sondern müssen uns jetzt in dieser Europäischen
Union engagieren.
Martina
Weitsch
Zum
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VON
INFORMATIONEN ÜBERSCHÜTTET ODER - WEM KÖNNEN WIR VERTRAUEN?
Eines
der vielen Dinge, die wir auf unser Nachfragen von den Freunden zu
hören bekommen, ist, daß es zu viele Informationen über
zu viele Sachverhalte gibt inclusive Politik und Europa und daß
es sehr schwer ist, noch das wesentliche zu sehen.Noch schwieriger
ist es herauszufinden,welche Informationsquellen zuverlässig
sind. Speziell durch das Internet ist vieles on-line zu finden, was
nicht zuverllässig, unaktuell oder geradezu falsch ist.
Auch
wir haben dieses Problem. Aber wir sind in der Lage, Informationsquellen
herauszufinden, denen wir sicherer trauen können, und ich möchte
hier über eine solche berichten.Sie ist nicht speziell auf
die EU, auf Europa oder Europapolitik zugeschnitten, aber sie deckt
viele der Gebiete ab, auf denen wir arbeiten,
Die
Transnationale Stiftung für Frieden und Zukunftsforschung ist
ein Netzwerk mit Verbindungen in die gesamte Welt. Sie befindet
sich in Schweden, und ihre Webside und die Informationen sind auf
Englisch und Schwedisch zu lesen. Unter ihren Quellen sind z. B.
solche wie der Joseph Rowntree Charitable Trust zu finden.
TFF
arbeitet schon fast seit 20 Jahren und führt eine beeindruckende
Menge von Arbeiten zum Thema " Frieden" an. Vorträge
bei verschiedenen Anlässen, Forschung,
Einrichtung und Betreuung einer sehr informativen Webside sowie
ein freier e-Mail-Service, der Nutzer gegen eine Gebühr auf
neue Themen und Arbeiten aufmerksam macht, das alles wird angeboten.
Die
Webside enthält Foren über Themen für den interessierten
Bürger, um Ideen zu finden, für den Studenten, den Journalisten,
den Intellektuellen und und den Entscheidungsträger und auch
für alle jene, die meinen, es muß verschiedene Wege geben,
die Welt zu betrachten und Frieden mit friedlichen Mitteln zu schaffen.
Eingeschlossen sind Themen wie Irak, Burundi, Aufrüstung in
der EU, Gewaltfreiheit
und andere.
Sie
ist eine unschätzbare Quelle für Informationen, die man
braucht, und sie ist vor allem nützlich für eine unabhängige
Stimme in einer Welt, in der Information oft nicht frei und meist
nicht unabhängig ist.
Wir
möchten Leser von Around Europe ermutigen,
auf diese Webside zu schauen, den e-Mail-Dienst zu abonnieren
und diese ausgezeichnete Informationsquelle zu nutzen.
Die Adresse: www.transnational.org
Zum
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Around
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