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Nr 262 Mai 2004
 
Inhaltsverzeichnis
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Hoffnung ist keine Strategie

Buchbesprechung:"Wie gerecht ist die Marktwirtschaft?"von Edward Dommen

 

Hoffnung ist keine Strategie 
Die globale Partnerschaft zur Verhinderung bewaffneter Konflikte (GPPAC = "Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict") hielt auf Einladung der irischen Präsidentschaft der EU vom 30.März bis 2.April 2004 in Dublin die erste von fünfzehn Regionalkonferenzen ab.

GPPAC ist ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen (NGOs = non-governmental organisations), gegründet als Antwort auf Kofi Annans Aufruf in seinem Bericht von 2001 über die Verhinderung bewaffneter Konflikte: "Ich fordere die an Konfliktverhinderung interessierten NGOs auf, eine internationale Konferenz lokaler, nationaler und internationaler NGOs zu organisieren über ihre Rolle bei der Konfliktverhinderung und zukünftiger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf diesem Gebiet."

GPPAC bereitet sowohl eine globale Konferenz für 2005 in New York vor als auch eine Reihe regionaler Netzwerke für vorbereitende Regionalkonferenzen auf dem Weg nach New York. Dublin war die erste in dieser Reihe.

Als die beiden zentralen Punkte wurde deutlich
a) die Rolle der Zivilgesellschaft und
b) die gegenwärtige Sicherheitslage in der Welt.

Es war Aufgabe dieser Konferenz, diese beiden Punkte zu verbinden und Handlungsvorschläge zu machen.

Zivilgesellschaft

Was heißt Zivilgesellschaft und was sind zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs = Civil Society Organisations)? Manchmal wird diese Bezeichnung statt NGOs gebraucht, aber sie sind tatsächlich viel umfassender; und nach Ansicht mancher Leute schließen sie auch die Gewerkschaften, die Wissenschaftsgemeinschaft (scientific community), lokale Behörden und die Medien ein; eine interessante, wenn auch nicht sehr angenehme Kombination.

Wir diskutierten die Verantwortung und die Verpflichtung der SCOs, die Beziehung zwischen CSOs und den Regierungen, Zwischenregierungskörperschaften oder der EU und die Beziehungen zwischen den NGOs in der nördlichen und südlichen Halbkugel. Wir wurden aufgefordert, mehr strategisch zu denken, uns wirkungsvoller mit Regierungen und den Mächtigen auseinander zu setzen. Manche CSOs haben Macht, wenn Macht gleichbedeutend mit Geld ist; da einige NGOs im Norden ein Budget haben, das um einiges größer ist als das mancher Länder.
Sollten Gelder für CSOs fließen oder für nationale Belange? Wie sollen die EU, die Vereinten Nationen und andere solche Körperschaften zu den CSOs in Beziehung treten? Wen repräsentieren sie? Bilden sie in Zeiten politischer Apathie eine Betätigungsmöglichkeit für politische und Gemeinde-Interessen, für die politische Parteien keine Anziehungskraft mehr besitzen?

Sicherheit in der Welt von heute

Was meinen wir mit Sicherheit? Ist es die Sicherheit der Menschen oder des Staates? Ist es Sicherheit für alle oder nur für die Reichen?

Wir einigten uns darauf, dass die Zivilgesellschaft einen Beitrag zur Sicherheit leisten könnte und sollte - und sie tut das auch bereits; NGOs können oft dort aktiv werden, wo es der Staat nicht kann, und deshalb können sie in eine Konfliktsituation Kreativität und zusätzliche Werte einbringen.

Wir übernahmen Kofi Annans Forderung, und wir übernahmen von den Vereinten Nationen die Definition des Friedens als "eine Reihe von Werten, von Haltung, von Verhaltensweisen und Lebensart, die Gewalt ablehnen und Konflikte verhindern, indem sie deren Wurzeln anpacken, um die Probleme durch Dialog und Verhandlungen zwischen Einzelnen, Gruppen und Nationen zu lösen." (UN Resolution A/RES/52/13).

Das Sicherheitsprogramm hat sich in Folge des Angriffs auf das World Trade Centre in New York verändert, und das Programm nach dem 11.September leitet Mittel von anderen Problemen um, lenkt von den wirklichen Problemen ab und konzentriert sich auf falsche Lösungen.

Handlungsvorschläge

Mein eigenes Anliegen in dieser Diskussion war, wie die zivilen Kräfte der EU gestärkt und verbessert werden können und auf welche Weise das zivile Eingreifen in Konfliktsituationen wirksamer gemacht werden kann. QCEA hat auf diesem Gebiet schon Beachtliches geleistet, und weitere Informationen gibt es auf unserer Website www.quaker.org/qcea.

Zuletzt stimmten wir den Handlungsvorschlägen (Action Agenda) zu und überreichten sie der irischen Präsidentschaft. Brian Cowen, T.D., der Außenminister, erkannte an, "bei näherer Betrachtung gibt es zwischen uns (NGOs and der EU) viele Gemeinsamkeiten", und er schloss mit den Worten "wir alle sind Mitglieder der 'internationalen Gemeinschaft'. Wir alle hier - ob von den Regierungen oder den NGOs - teilen eine gemeinsame Verpflichtung zum Einsatz für den Frieden und zur Schaffung einer sichereren und gerechteren Welt. Vereinen wir unsere Anstrengungen, um diese Ziele zu erreichen."

Zugang zu den Handlungsvorschlägen (Action Agenda) unter www.euconflict.org; dort sind weitere Informationen über die Konferenz verfügbar.

Martina Weitsch

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Buchbesprechung: "Wie gerecht ist die Marktwirtschaft?" von Edward Dommen :
Edward Dommens Buch definiert den Begriff Markt, seine Möglichkeiten und Grenzen, und inwiefern er dem biblischen Prinzip der Gerechtigkeit entgegensteht. Wer sich für das Thema interessiert, aber Angst vor Wirtschaftsjargon hat, oder wem Vorwissen bezüglich Wirtschaft bzw. Bibel fehlen, der hat nichts zu befürchten. Gründliche Erklärungen und Beispiele ziehen sich durch das ganze Buch, so daß alles, was man mitbringen muß, ein waches Interesse ist.

Der Autor erklärt die komplizierten Zusammenhänge des Marktes und die zugrunde liegenden Prinzipien, bzw. ihr Fehlen. Obwohl von Anfang an klar ist, daß er der neo-liberalen Marktwirtschaft nicht bedingungslos positiv gegenübersteht, und daß er deren Vermögen, weltweite Gerechtigkeit zu gewährleisten in Frage stellt, so vernachlässigt er doch nicht die Vorteile des Marktes und bietet so einen ausgewogenen Überblick. Trotzdem kommt er zu dem Schluß, daß die freie Marktwirtschaft, ohne Einmischung durch die Politik, eine Kraft ist, die Kämpfer oder Gewinner bevorzugt. Sie läßt wenig Raum, den Schwachen und Armen die besondere Behandlung zukommen zu lassen, die die Bibel empfiehlt. Eine weitere Schwäche der Marktwirtschaft sei, daß sie nur den Siegern von heute zukommt und weder Platz läßt für die Bedürfnisse zukünftiger Generationen, noch für die Betonung des Gemeinschaftssinnes.

Das Buch ist keine Schritt für Schritt Anleitung, wie man die Weltwirtschaft gerecht macht, aber es zeigt eine Menge an alternativen Prinzipien auf, auf die man die Struktur einer Weltwirtschaft auch gründen kann. Diese Alternativen findet der Autor bei dem Theologen des 16. Jahrhunderts, Johannes Calvin, und in den Lehren der Bibel, wobei er sein Augenmerk besonders auf das Prinzip der Nächstenliebe richtet.

Dieses Buch kann uns als Erinnerung daran dienen, daß, auch wenn sich die gesellschaftlichen Umstände seit biblischer Zeit verändert haben, die grundsätzlichen Prinzipien heute noch immer gelten. Wer mit den Lehren der Bibel wenig vertraut ist, mag sich sogar genötigt sehen, diese genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer der Vermischung von Wirtschaft und Theologie skeptisch gegenüber steht, mag diese Idee unpraktisch und unrealistisch finden. Aber die Stärke des Buches liegt auch nicht darin, ein Handbuch für den Bau einer gerechten Welt zu sein, sondern in der Inspiration der Leser, über innovative Wege nachzudenken, wie die Marktwirtschaft zu organisieren ist, möglicherweise eben durch die Vermischung von Markttheorien und biblischen Prinzipien.

Kshama K. Pandey

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