Hoffnung
ist keine Strategie
Die
globale Partnerschaft zur Verhinderung bewaffneter Konflikte (GPPAC
= "Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict")
hielt auf Einladung der irischen Präsidentschaft der EU vom 30.März
bis 2.April 2004 in Dublin die erste von fünfzehn Regionalkonferenzen
ab. GPPAC
ist ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen (NGOs = non-governmental
organisations), gegründet als Antwort auf Kofi Annans Aufruf
in seinem Bericht von 2001 über die Verhinderung bewaffneter
Konflikte: "Ich fordere die an Konfliktverhinderung interessierten
NGOs auf, eine internationale Konferenz lokaler, nationaler und
internationaler NGOs zu organisieren über ihre Rolle bei der
Konfliktverhinderung und zukünftiger Zusammenarbeit mit den
Vereinten Nationen auf diesem Gebiet."
GPPAC
bereitet sowohl eine globale Konferenz für 2005 in New York
vor als auch eine Reihe regionaler Netzwerke für vorbereitende
Regionalkonferenzen auf dem Weg nach New York. Dublin war die erste
in dieser Reihe.
Als
die beiden zentralen Punkte wurde deutlich
a) die Rolle der Zivilgesellschaft und
b) die gegenwärtige Sicherheitslage in der Welt.
Es
war Aufgabe dieser Konferenz, diese beiden Punkte zu verbinden und
Handlungsvorschläge zu machen.
Zivilgesellschaft
Was
heißt Zivilgesellschaft und was sind zivilgesellschaftliche
Organisationen (CSOs = Civil Society Organisations)? Manchmal wird
diese Bezeichnung statt NGOs gebraucht, aber sie sind tatsächlich
viel umfassender; und nach Ansicht mancher Leute schließen
sie auch die Gewerkschaften, die Wissenschaftsgemeinschaft (scientific
community), lokale Behörden und die Medien ein; eine interessante,
wenn auch nicht sehr angenehme Kombination.
Wir
diskutierten die Verantwortung und die Verpflichtung der SCOs, die
Beziehung zwischen CSOs und den Regierungen, Zwischenregierungskörperschaften
oder der EU und die Beziehungen zwischen den NGOs in der nördlichen
und südlichen Halbkugel. Wir wurden aufgefordert, mehr strategisch
zu denken, uns wirkungsvoller mit Regierungen und den Mächtigen
auseinander zu setzen. Manche CSOs haben Macht, wenn Macht gleichbedeutend
mit Geld ist; da einige NGOs im Norden ein Budget haben, das um
einiges größer ist als das mancher Länder.
Sollten Gelder für CSOs fließen oder für nationale
Belange? Wie sollen die EU, die Vereinten Nationen und andere solche
Körperschaften zu den CSOs in Beziehung treten? Wen repräsentieren
sie? Bilden sie in Zeiten politischer Apathie eine Betätigungsmöglichkeit
für politische und Gemeinde-Interessen, für die politische
Parteien keine Anziehungskraft mehr besitzen?
Sicherheit
in der Welt von heute
Was
meinen wir mit Sicherheit? Ist es die Sicherheit der Menschen oder
des Staates? Ist es Sicherheit für alle oder nur für die
Reichen?
Wir
einigten uns darauf, dass die Zivilgesellschaft einen Beitrag zur
Sicherheit leisten könnte und sollte - und sie tut das auch
bereits; NGOs können oft dort aktiv werden, wo es der Staat
nicht kann, und deshalb können sie in eine Konfliktsituation
Kreativität und zusätzliche Werte einbringen.
Wir
übernahmen Kofi Annans Forderung, und wir übernahmen von
den Vereinten Nationen die Definition des Friedens als "eine
Reihe von Werten, von Haltung, von Verhaltensweisen und Lebensart,
die Gewalt ablehnen und Konflikte verhindern, indem sie deren Wurzeln
anpacken, um die Probleme durch Dialog und Verhandlungen zwischen
Einzelnen, Gruppen und Nationen zu lösen." (UN Resolution
A/RES/52/13).
Das
Sicherheitsprogramm hat sich in Folge des Angriffs auf das World
Trade Centre in New York verändert, und das Programm nach dem
11.September leitet Mittel von anderen Problemen um, lenkt von den
wirklichen Problemen ab und konzentriert sich auf falsche Lösungen.
Handlungsvorschläge
Mein
eigenes Anliegen in dieser Diskussion war, wie die zivilen Kräfte
der EU gestärkt und verbessert werden können und auf welche
Weise das zivile Eingreifen in Konfliktsituationen wirksamer gemacht
werden kann. QCEA hat auf diesem Gebiet schon Beachtliches geleistet,
und weitere Informationen gibt es auf unserer Website www.quaker.org/qcea.
Zuletzt
stimmten wir den Handlungsvorschlägen (Action Agenda) zu und
überreichten sie der irischen Präsidentschaft. Brian Cowen,
T.D., der Außenminister, erkannte an, "bei näherer
Betrachtung gibt es zwischen uns (NGOs and der EU) viele Gemeinsamkeiten",
und er schloss mit den Worten "wir alle sind Mitglieder der
'internationalen Gemeinschaft'. Wir alle hier - ob von den Regierungen
oder den NGOs - teilen eine gemeinsame Verpflichtung zum Einsatz
für den Frieden und zur Schaffung einer sichereren und gerechteren
Welt. Vereinen wir unsere Anstrengungen, um diese Ziele zu erreichen."
Zugang
zu den Handlungsvorschlägen (Action Agenda) unter www.euconflict.org;
dort sind weitere Informationen über die Konferenz verfügbar.
Martina
Weitsch
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Inhaltsverzeichnis
Buchbesprechung:
"Wie
gerecht ist die Marktwirtschaft?" von Edward Dommen
:
Edward
Dommens Buch definiert den Begriff Markt, seine Möglichkeiten
und Grenzen, und inwiefern er dem biblischen Prinzip der Gerechtigkeit
entgegensteht. Wer sich für das Thema interessiert, aber Angst
vor Wirtschaftsjargon hat, oder wem Vorwissen bezüglich Wirtschaft
bzw. Bibel fehlen, der hat nichts zu befürchten. Gründliche
Erklärungen und Beispiele ziehen sich durch das ganze Buch, so
daß alles, was man mitbringen muß, ein waches Interesse
ist. Der
Autor erklärt die komplizierten Zusammenhänge des Marktes
und die zugrunde liegenden Prinzipien, bzw. ihr Fehlen. Obwohl von
Anfang an klar ist, daß er der neo-liberalen Marktwirtschaft
nicht bedingungslos positiv gegenübersteht, und daß er
deren Vermögen, weltweite Gerechtigkeit zu gewährleisten
in Frage stellt, so vernachlässigt er doch nicht die Vorteile
des Marktes und bietet so einen ausgewogenen Überblick. Trotzdem
kommt er zu dem Schluß, daß die freie Marktwirtschaft,
ohne Einmischung durch die Politik, eine Kraft ist, die Kämpfer
oder Gewinner bevorzugt. Sie läßt wenig Raum, den Schwachen
und Armen die besondere Behandlung zukommen zu lassen, die die Bibel
empfiehlt. Eine weitere Schwäche der Marktwirtschaft sei, daß
sie nur den Siegern von heute zukommt und weder Platz läßt
für die Bedürfnisse zukünftiger Generationen, noch
für die Betonung des Gemeinschaftssinnes.
Das
Buch ist keine Schritt für Schritt Anleitung, wie man die Weltwirtschaft
gerecht macht, aber es zeigt eine Menge an alternativen Prinzipien
auf, auf die man die Struktur einer Weltwirtschaft auch gründen
kann. Diese Alternativen findet der Autor bei dem Theologen des
16. Jahrhunderts, Johannes Calvin, und in den Lehren der Bibel,
wobei er sein Augenmerk besonders auf das Prinzip der Nächstenliebe
richtet.
Dieses
Buch kann uns als Erinnerung daran dienen, daß, auch wenn
sich die gesellschaftlichen Umstände seit biblischer Zeit verändert
haben, die grundsätzlichen Prinzipien heute noch immer gelten.
Wer mit den Lehren der Bibel wenig vertraut ist, mag sich sogar
genötigt sehen, diese genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer
der Vermischung von Wirtschaft und Theologie skeptisch gegenüber
steht, mag diese Idee unpraktisch und unrealistisch finden. Aber
die Stärke des Buches liegt auch nicht darin, ein Handbuch
für den Bau einer gerechten Welt zu sein, sondern in der Inspiration
der Leser, über innovative Wege nachzudenken, wie die Marktwirtschaft
zu organisieren ist, möglicherweise eben durch die Vermischung
von Markttheorien und biblischen Prinzipien.
Kshama
K. Pandey
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