Wenn
wir keinen Krieg wollen, dann müssen wir den Frieden vorbereiten
Der
folgende Text ist eine überarbeitete Fassung der Einleitung,
die Martina Weitsch (QCEA) bei der Einreichung des Antrag zur Einrichtung
einer europäischen Friedensagentur am 2.März 2004 vor dem
Europäischen Parlament hielt. Weitere Informationen über
diesen Antrag und unsere laufende Arbeit dafür werden in den
nächsten zwei Monaten auf unserer Website erscheinen. Die Einführungsveranstaltung
brachte uns eine Menge nützlicher Rückmeldungen, und die
Arbeit an diesem Antrag wird im Sinne dieser Rückmeldungen fortgesetzt.
Sie bildet einen Teil eines Workshops bei der Konferenz in Dublin
Ende März zur Rolle der Zivilgesellschaft bei der Konfliktprävention.
Die
Europäische Union ist eines der erfolgreichsten - wenn nicht
das erfolgreichste friedenschaffende Projekt des 20.Jahrhunderts.
Nach Jahrhunderten von Kriegen zwischen den europäischen Nationen
und im Gefolge eines der blutigsten Kriege der Geschichte europäischer
Kriegsführung sahen die Gründer der Europäischen
Union die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zur Schaffung eines
dauerhaften Friedens.
Über fünfzig Jahre hat es zwischen den Mitgliedern der
Europäischen Union keinen Krieg gegeben. Dies hätte keiner
garantiert, ja nicht einmal vorausgesehen, als das europäische
Projekt in den Fünfzigerjahren begann.
Mit
anderen Worten: Frieden funktioniert. Aber Frieden funktioniert
nur, wenn der Wille zum Frieden vorhanden ist, und wenn der Wille
da ist, hinter die kurzfristigen Antworten zu blicken, die militärische
Interventionen in Krisensituationen anzubieten scheinen.
Die
Europäische Sicherheitsstrategie, die im Europarat im Dezember
2003 vereinbart wurde, erkennt dies an, wenn sie feststellt: "Im
Gegensatz zu der massiven sichtbaren Bedrohung durch den Kalten
Krieg, ist keine der neuen Bedrohungen rein militärisch noch
kann irgend eine solche durch rein militärische Mittel bewältigt
werden."
Wir
wissen, dass Jahrhunderte lang Nationen in der ganzen Welt viel
von ihrer Energie und ihren Ressourcen auf Kriegsvorbereitungen
richteten. Das bezeugen die Streitkräfte der Welt und ihre
Waffenlager, die sie versorgenden Industrien und die ihre Aktivitäten
unterstützende Forschung.
Selbst
die Europäische Union beschloss, eine Agentur zur Entwicklung
von Verteidigungsfähigkeit, für Forschung, Beschaffung
und Aufrüstung einzurichten. Mittel, die Militärmaschinerie
wirkungsvoller, leistungsstärker und besser geeignet für
eine Intervention zu machen, wurden für notwendig erachtet.
Selbst
wenn es ein stichhaltiges Argument dafür gäbe, dass die
Fähigkeit der europäischen Streitkräfte zur Zusammenarbeit
nicht so gut ist wie sie sein sollte, so ist die Fähigkeit
ziviler Gruppierungen aus verschiedenen Teilen Europas zu einer
solchen Zusammenarbeit noch wesentlich begrenzter. Es besteht eine
ganze Reihe von Problemen, die angegangen werden müssen, um
solche Interventionen möglich, wirkungsvoll und für alle
Teilnehmer sicher zu machen.
Es
gibt Probleme beim gemeinsamen Verständnis von der Herangehensweise,
der Logistik , physischer Ressourcen, Verfügbarkeit von Personal,
von Ausbildung und einem gemeinsamen Ansatz für die Ausbildung.
Es gibt Sprachprobleme und Probleme unterschiedlicher Systeme in
jedem Mitgliedsstaat, ganz zu schweigen von der Vereinbarkeit (Kompatibilität)
der Kommunikationssysteme.
Solche
Fragen müssen auf einer europäischen Ebene angesprochen
werden, damit die Europäische Union in der Lage ist, in Konfliktsituationen
mit zivilen Maßnahmen wirkungsvoll einzugreifen. Die europäische
Sicherheitsstrategie unterstellt, dass dort, wo zivile Interventionen
den militärischen folgten, ein Chaos entstand. So ein Chaos
ist jedoch nicht den zivilen Interventionen eigen, es ist das Ergebnis
eines Mangels an Planung.
Aber
Friedenschaffen bedeutet viel mehr als Krisenintervention. Frieden
schaffen ist ein lang andauernder Prozess, der die Ausbildung zu
Fähigkeiten auf lokaler Ebene einschließt, die sich für
die Umwandlung des Konflikts einsetzen, ehe er ausbricht, die an
der Versöhnung arbeiten, um zukünftige Konflikte vermeiden
zu helfen, und die sich für den längerfristigen Wiederaufbau
von Gemeinden nach einem Konflikt einsetzen, für die Infrastruktur,
für politische und soziale Systeme, die Länder und Gemeinden
zu einer gemeinschaftlichen Arbeit und einem gemeinschaftlichen
Einsatz für ihre gemeinsame dauerhafte Zukunft hinführen.
Die
Zivilgesellschaft hat viel zu diesem Prozess beizutragen, und sie
tut das auch; aber sie ist ungenügend eingebunden in einen
strategischen Ansatz, Frieden zu schaffen, einfach deshalb, weil
der Ansatz, Frieden zu stiften, nicht strategisch genug ist.
Krisenbewältigung
und Instrumente zum Friedensaufbau sind auf der Ebene der Europäischen
Union strukturell voneinander getrennt, und deshalb kann der Überblick
über das, was nötig und möglich ist, die Gesamtschau
("das große Bild") nicht voll erreicht werden.
Deshalb
schlägt das europäische friedenschaffende Verbindungsbüro
(European Peacebuilding Liaison Office = EPLO) die Gründung
einer europäischen Friedensagentur vor.
Was
wir anregen möchten, ist ganz einfach:
- eine Agentur, die sich auf die friedenschaffenden Kräfte
der Europäischen Union konzentriert;
- eine Agentur, die die nötigen, schnellreagierenden Systeme
entwickelt und plant, die Friedensinitiativen für eine gute
Arbeit brauchen;
- eine Agentur, die Erfahrungen aufnimmt und aus ihnen lernt;
- eine Agentur, die Ressourcen und ihre Lücken erkennen kann;
- eine Agentur, die allgemeine Ausbildungsrichtlinien für gemeinschaftliches
Handeln entwickeln kann;
- eine Agentur, die Forschung in die Friedensarbeit einbringen kann;
- eine Agentur, die, kurz gesagt, den Frieden plant.
Die
Europäische Union würde ihrer Geschichte, ihren Möglichkeiten
und der Welt im ganzen nicht gerecht, sollte sie auch nur ein bisschen
weniger tun.
Martina
Weitsch
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Bericht
über zwei Wochen bei QCEA
Mir wurde
eine Gelegenheit gegeben, ein zwei-wöchiges Praktikum bei QCEA
zu verbringen. Ich gehe in eine Sekundarschule in den Niederlanden,
und wir mußten ein Praktikum ("working experience")
in einer idealistischen Einrichtung verbringen. Ich denke, daß
ich am richtigen Ort gewesen bin.Bei QCEA wird definitiv mit Idealen
gearbeitet. Zwei
Wochen sind nur eine kurze Zeit um bei QCEA mitzuhelfen. Ich begann
damit, die riesige Anzahl von Büchern zu katalogisieren. Diese
Arbeit wird für lange Zeit nicht zu Ende zu bringen sein. Wenn
es also Freiwillige gibt, die meine Arbeit weiterführen wollen
... Manchmal mußte ich mich selbst dazu anhalten, weiterzuarbeiten,
weil die Bücher so interessant waren, daß ich begann,
sie zu lesen. Ich versuchte auch, beim Projekt zur Verweigerung
aus Gewissensgründen mitzuarbeiten. Dabei wurde mir klar, daß
es eine Menge Dinge in Europa gibt, die Aufmerksamkeit brauchen.
Ich
hoffe, daß QCEA seine Arbeit fortführen kann, bis wir
dieses friedvolle, offene, gerechte und mitfühlende Europa
haben, das dort angestrebt wird.
Bouke
Grijseels
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