Über
Demonstrationen hinaus - die nächsten Schritte zu "Frieden
an die Macht"
Während
einer Tour nach Brüssel und Straßburg im April 2003 wurden
wir überzeugt, dass eine Kultur des Friedens in unseren Regierungsinstitutionen
geschaffen werden müsste - sowohl bei uns als auch im Ausland.
Wir versuchten zunächst allein unsere Vision in dem Papier "Über
Demonstrationen hinaus - zu langfristigen Friedenszielen" zu
formulieren. Unser
Papier wurde im "Friend", in den QCEA Mitteilungen "Around
Europe" und in den Mitteilungsblättern zweier Monatsversamlungen
veröffentlicht. Aber wir waren nicht die einzigen, in denen
diese Idee Wurzeln geschlagen hatte. Wie wir in steigendem Maße
gewahr wurden, schien das Thema Frieden überall aufzutauchen,
sogar in den USA, wo der Kongressabgeordnete Dennis Kucinich eine
Gesetzesvorlage zur Einrichtung eines Friedensministeriums vorschlug.
In Großbritannien (UK) formierte sich eine Gruppe, die versuchte,
in diesem Land ein Friedensministerium zu schaffen, und wir nahmen
an deren Gruppentreffen teil.
Diese
Gruppe arbeitete eng mit dem Parlamentsabgeordneten John McDonnell
zusammen, der den ersten entscheidenden Schritt unternahm, dem Frieden
Macht zu verleihen, indem er am Dienstag, dem 14. Oktober 2003 eine
vorbereitende Gesetzesvorlage (Paving Bill) im Unterhaus einbrachte.
Dieses Gesetz wurde ohne Gegenstimmen und mit Unterstützung
quer durch die Parteien beschlossen. Es schlägt vor, "ein
Friedensministerium in einer neuen Regierungsabteilung einzurichten,
mit dem einzigen Zweck, die Möglichkeiten der Regierung zur
Förderung des Friedens und letztlich zur Abschaffung des Krieges
zu untersuchen". Zugang zu den Einzelheiten dieses Gesetzes
findet man auf der "Parliament website" und auf der website
der Gruppe unter www.ministryforpeace.org.uk. Außerdem haben
wir erfahren, dass die Vereinten Nationen bereits 1980 in Costa
Rica eine Friedensuniversität gegründet haben: www.upeace.org.
Den meisten Leuten ist nicht bekannt, dass diese Universität
1999 wiederbelebt wurde und mit Kofi Annan als Ehrenpräsident
wertvolle Arbeit leistet zur Friedensausbildung in Afrika und Asien.
Sie bietet ein umfangreiches Programm zur Ausbildung für Friedensarbeit
an und hat mehrere hundert Stundenten.
Ein
weiteres bemerkenswertes Ereignis ist, dass die Europäische
Frauenliga (European Women's League) einen Antrag annahm, um "sicherzustellen,
dass die EU-Kommission ein Ausschussmitglied für Frieden (Commissioner
for Peace) einsetzt". Dieser Commissioner soll gemeinsam mit
Kollegen auf eine EU Direktive hinarbeiten, die von den Mitgliedsstaaten
die Schaffung eines Friedensministeriums fordert.
Wir
betrachten die oben genannten Aktivitäten als große Schritte
zur Verwirklichung eines größeren Teils unseres Traums.
Wir hoffen, dass sie Vorboten sind für ähnliche Einrichtungen
in anderen Staaten und auch in multilateralen Institutionen wie
der EU, dem Europarat und dem Commonwealth.
Vas
und Lisa Shend'ge E-Mail: shendge@gn.apc.org
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Ein
sicheres Europa in einer besseren Welt
So
lautet der Titel eines Berichts von Javier Solana, dem Hohen Vertreter
für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU,
zur Tagung des Europäischen Rates in Thessaloniki im Juni 2003.
Nachzulesen im Internet unter http://ue.eu.int/pressdata/EN/reports/76255.pdf
Der
Europäische Rat hatte diesen Bericht angefordert, um das Projekt
einer EU-Sicherheitsstrategie zu entwickeln. Dies als Antwort auf
die Invasion im Irak und die Unfähigkeit der EU, sich auf eine
Strategie zu einigen, oder auch nur auf einen kleinsten gemeinsamen
Nenner zu kommen. Es war an der Zeit, einen Schritt zurückzutreten
und neu nachzudenken.
Der
Bericht ist ein Entwurf, welcher in der im Moment stattfindenden
Diskussion wohl noch leicht geändert werden wird; es ist jedoch
wahrscheinlich, daß man sich in nächster Zukunft darauf
einigt, vielleicht sogar bereits im Rahmen der nächsten Tagung
des Europarates im Dezember 2003. Dieser, wie so viele andere Prozesse,
die innerhalb des Europarates ablaufen, läßt anderen,
einschließlich der nationalen Parlamente, des Europäischen
Parlaments und der zivilen Gesellschaft, wenig Zeit, sich einzubringen.
QCEA,
in enger Zusammenarbeit mit dem European Peace Building Liaison
Office (EPLO), hält es für wichtig, den Bericht kritisch
zu beurteilen und zu kommentieren. Die Mehrheit der EPLO-Mitglieder
haben jetzt einem Statement zugestimmt, und die drei generellen
Schlüsselpunkte, die darin von uns angesprochen werden, sind
folgende:
1.
Der Entwurf kennzeichnet Terrorismus, Massenvernichtungswaffen und
zerfallene Staaten als die ‚neuen Bedrohungen' der derzeitigen
Sicherheitszone, versäumt es aber, die Zusammenhänge zwischen
diesen unzweifelhaften Bedrohungen, sowie die Konfliktursachen,
die man auch als die ‚alten Bedrohungen' bezeichnen könnte,
klar genug aufzuzeigen.
2.
Der Entwurf erkennt Abrüstung nicht als bedeutsame Strategie
oder politisches Ziel an: im Gegenteil, das Hauptaugenmerk liegt
auf militärischer Intervention und Kapazität.
3.
Der Entwurf konzentriert sich nicht ausreichend auf die Bedeutung
zivilen Engagements in der Konfliktverhütung und -umwandlung
und beachtet daher auch die Notwendigkeit nicht genug, in diesem
Kontext Kapazitäten zu schaffen.
Es
gibt noch vieles, was man im Zusammenhang mit dem Entwurf debattieren
könnte. Aber in Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der die
Diskussion abläuft, müssen wir uns auf die Schlüsselpunkte
beschränken. Ebenso wichtig ist es, die Diskussion innerhalb
der Mitgliedsstaaten in Gang zu bringen. Davon abgesehen, mag es
helfen, das Thema öffentlich bekannter zu machen, indem wir
uns mit der Aufforderung an die Presse wenden, über dieses
für die Zukunft der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
der EU so wichtige Thema und die Punkte, die wir im EPLO Statement
angesprochen haben, zu berichten.
Und
selbst zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ein Ansprechen der
Regierungsoberhäupter und der Außenminister der Mitgliedsstaaten,
entweder direkt oder über ein Mitglied des entsprechenden nationalen
Parlaments, unsere Chancen erhöhen, relevante Änderungen
zu erzielen, bevor die Tinte auf dem endgültigen Dokument trocknet.
Martina
Weitsch
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